Auf Schotterwegen nach Triest

Als am ersten Radtag irgendwo auf einem Feldweg ein Radler, der mich mit dem beladenen Rad gesehen hat und nach dem Ziel fragte, belustigt meinte “Auf einer Schotterstrasse nach Triest…“, wusste ich noch nicht wie viele Kilometer ich tatsächlich auf Schotterwegen pedalieren würde.

Vielleicht waren die schottrigen Umwege der Grund, warum ich nicht bereits nach 555 Kilometer in Triest war, sodern etwas länger brauchte.

Hätte ich die Triester/Wiener Straße genommen…

… hätte ich nicht am stimmungsvollsten Rastplatz in der Südsteppe gehalten

…. hätte ich die Klapotetzen auf den steirischen und slowenischen Weinbergen nicht gehört

… und die Waterfront von Ljubljana nicht gesehen

… ebenso wenig die Motorsägenausstellung von Mašun

… und vor allem wäre mir die grandiose Talfahrt nach Triest entgangen. Der Giordano-Cottur-Radweg ist die schönste Stadteinfahrt, die ich je mit dem Rad gefahren bin. Mit Blick auf den Naturpark Val Rosandra schlängelt sich der Weg bis mitten in die Stadt. Möglicherweise ist der steinige Weg auch beabsichtigt: man kann nur langsam fahren und hat damit mehr Zeit zum genussvollen Ausblick.

Radeln bis zum Iron Curtain

Am Ende eines Tages, an dem es an die Grenzen des Materials, des Körpers und des Geistes ging, stand ich dann an einer realen Grenze. Mitten in Europa. Zwischen zwei Staaten, die beide Mitglieder der EU sind. Zwischen zwei Staaten, die vor nicht allzu langer Zeit mit anderen Staaten einen gemeinsamen Staat bildeten.

Das slowenische Dörfchen Golac und das kroatische Vodice waren bis vor kurzem in 7km zu erreichen. Jetzt sind es über 50km.

Für mich hieß es Planänderung, weil weder wollte ich mir mein Rad ruinieren noch Schubhaft riskieren.

500m vor der Grenze findet sich eine verfallende Casa Cantoniera (Strassenwärterhäuschen) der Provinz Fiume. Ein Beweis dafür, dass Grenzen nicht absolut sind. Auch die im Kopf nicht.

Vor Jahren haben wir viele Kilometer der europäischen Geschichte am Iron Curtain Trail erfahren. Bin schon gespannt, wann es möglich sein wird, auf diesem Weg wieder zu pedalien, sozusagen auf demTrail des Iron Curtains aus dem 21. Jahrhundert.

Winnetou konnte Fährten lesen. Und Mia?

Ich kann Karten lesen.

Wieder einmal habe ich einen interessanten grünen Fleck auf der Landkarte gefunden. Hab meine Radstrecke für den heutigen Tag umgeändert und hatte eine beeindruckende Fahrt durch Rakov Škocjan, eine Karstlandschaft nahe einem Polje.

Natürliche Felsbrücken, riesige Höhleneingänge, senkrechte Felswände.

Das Bächlein Rak ist jetzt Ende des Sommers klein und viele der Quellen sind trocken. Aber man kann sich gut vorstellen , wie es hier nach der Schneeschmelze gurgelt und tost.

Und warum fiel mir Winnetou ein? Na, weil in dieser Karstschlucht gedreht wurde, wie an vielen anderen spektakulären Spots im dinarischen Gebirge. Ausserdem war der Nachschub an Pferderl von Lipica auch einfach, weil quasi ums Eck.

Durch ausgedehnte Wälder im Gebiet des Snežnik führt mich der Weg auf menschenleeren Schotterstrassen weiter. Der Tipp eines Einheimischen: Singen. Ich kann bestätigen, dass auch Pfeiffen Braunbären davon abhielt sich mir den Weg zu stellen.