Das liebe Vieh und ich

So schaut es aus, wenn ich mich verirre. Das geht mit GPS? Ja, nämlich dann, wenn ich zwar feststelle, dass ich nicht mehr am vorgezeichneten Track bin, aber mich nicht zur Kreuzung zurückfahren getraue, weil dort eine Horde Hirtenhunde auf mich wartet. Lieber schiebe ich mein Fahrrad durch das hohe Gras, lass mich von Brombeerstauden und Disteln zerkratzen…

Es ist wahrscheinlich bekannt, dass Hunde nicht meine Freunde sind und mehr noch, dass ich Schiss vor ihnen habe. So ist für mich – im Ernst – eine der grössten Herausforderungen dieser Reise mit diesen Viechern fertig zu werden.

Seit Anfang der Reise treffe ich immer wieder auf die Haus- und Hofhunde, die “ich tue dir eh nix, ich will nur spielen = dich ein bisschen schrecken“ auf die Strasse schiessen und mich ankläffen. Bleib ich stehen, verdrücken sie sich meist. Wenn nicht, dann schreie ich sie an (früher hatte ich dabei schon einen Nervenzusammenbruch) und siehe da, sie schleichen sich meist schnell, manchmal halt langsam. Gefährlich sind diese Hunde dann, wenn ich mich schrecke, verreisse, ein Schlagloch übersehe oder gar Verkehr auf der Strasse ist.

Kettenhunde und in Gärten eingesperrte Hunde machen meist einen furchtbaren Lärm mit ihrem Gekläffe und ich bin froh, dass sie nicht in meine Nähe kommen können.

Seit der Wojwodina, in der Nähe zu Rumänien sind mir verwilderte Hunde aufgefallen. Ein Grossteil dieser Hunde nimmt keine Notiz von mir, was mir äusserst recht ist. In Serbien traf ich sie oft auf Rastplätzen an. Sie kamen auf mich zu in der Hoffnung Futter zu erhalten und trollten sich. In Rumänien waren sie schon lästiger. Aber in der Regel konnte ich sie mit der Methode “Stehenbleiben und Anschreien“ einschüchtern. Klappte immer, wenn es nur ein Hund war. Einmal aber war ich umringt von fünf kläffenden Kötern. Da hatte ich Glück: es kam ein Autofahrer vorbei, der stellte sich zwischen die Hunde und mich und wartete so lange, bis ich weit genug weg war, dass die Meute kein Interesse mehr an mir hatte. Nun bin ich wieder in Ländern, wo es zwar verwilderte Hunde gibt, die mich aber entweder ignorieren oder sich mit “Anschreien“ vertreiben lassen.

Eine weitere Spezies sind die Hirtenhunde: die müssen ihre Herde schützen. RadlerInnen kennen sie offenbar nicht und reihen diese in die Gruppe “Bären, Wölfe, jedenfalls gefährlich“ ein und verteidigen ihre Herde mit allen Mitteln. Da habe ich echt Spundus und probiere lieber alle möglichen und unmöglichen Wege aus, bevor ich mich freiwillig in die Nähe getraue.

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Seit dem Dreiländereck Serbien-Mazedonien-Bulgarien sind mir verwilderte Katzen aufgefallen, aber da bleibt es beim gegenseitigen Ignorieren.

Ergänzung 8.6.: mit einer Entfernung von mehr als 20 km Luftlinie zu Rumänien und Griechenland hat sich das Problem von lästigen verwilderten Hunden gelegt.

Ein Gedanke zu „Das liebe Vieh und ich

  1. Eine weitere Sorte von Hundstieren ausgemacht: meist riesengross und werden zur Bewachung der Obstplantagen kurz vor der Ernte eingesetzt. Für mich als Vorbeifahrende kein Problem. Aber, wenn sie unbeschäftigt in den Orten herumhängen, ist ihnen anscheinend fad und sie rotten sich zusammen und “wollen nur spielen“ und in der Nacht lärmen sie. Wahrscheinlich gibt’s in den Dörfern zumindest gleich viel Hunde wie Einwohner…

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